Türkei – Myra/Demre

Warum eigentlich nicht, dachten wir uns und buchten frohen Mutes eine Pauschalreise in die Türkei. Was andere können, können wir schon lange, aber vielleicht nicht zur gleichen Zeit. So war es dann auch Anfang November (Nebensasion) als wir das Flugzeug bestiegen und um 22 Uhr in Antalya landeten. Der Nachteil nicht mit allen anderen zu fliegen ist, es sind sehr wenige Menschen ausserhalb des Flugplatzes. Der Ort, wo sonst massenweise hellheutige Zweibeiner die Bustransfer Buden stürmen und Ortsansässige Schilder hochhalten, um Ordnung in das vermeindliche Chaos zu bringen, erschien jetzt ruhig und verlassen. Oh je! J und K in der Türkei, es regnet Bindfäden und keiner kommt sie abholen! Willkürlich irgendeine Bude mit Dach anvisierend, die Augen zu und ab durch den Regen, landeten wir bei einer freundlichen Dame, die mit dem Namen unseres Reiseunternehmens nichts anzufangen wusste. Sie schickte uns zu einem verlassenen Stand, natürlich ohne Überdachung, und wir sollten dort anfragen. Nur wen? Was blieb uns übrig, wir gingen trotzdem hin und siehe da, plötzlich kam jemand aus einem Auto gesprungen, Handy am Ohr und zeigte auf unsere Papiere. Er sprach kein Deutsch, doch etwas Englisch. Offenbar hatte er auf uns gewartet und winkte einem Busfahrer zu, der unser Gepäck nahm und verstaute. Weit und breit war niemand sonst. Der Mann mit dem Handy nickte freundlich und deutet uns, dem Busfahrer zu folgen und mit ihm mitzufahren. Das taten wir dann auch, stiegen ein, Tür zu.

Es ging los durch das nächtliche Antalya und es regnete immer noch stark. Wir waren in Urlaubsstimmung und freuten uns auf ein Abenteuer. Nach ca. einer halben Stunde waren wir heraus aus der Stadt und sahen nichts mehr ausser Wald. Es ging hinauf und bergab um die Kurve und wieder herauf und hinab und nach einer weiteren halben Stunde stellte sich uns zum ersten Mal die Frage: Was macht uns eigentlich so sicher, dass der ältere Herr am Steuer uns nicht doch verkaufen möchte?
Ich erinnerte mich daran, wie ich in Mexico City nachts mit dem Taxi fuhr und hochkonzentriert die Gegend beobachtete, ob wir uns immer noch in die richtige Richtung bewegen…
Wir schauten uns an und tuschelten. Wird schon gut gehen. Das Reiseunternehmen weiß ja, dass wir unterwegs sind und das Hotel wird sich wundern, falls wir nicht ankommen und überhaupt, wir hatten noch nie von verschwundenen Touristen in der Türkei gehört. Den Fahrer interessierte das alles gar nicht, er hing seinen eigenen Gedanken nach und fuhr und fuhr und tatsächlich kamen wir dann auch nach insgesamt 2 Stunden Fahrt im Hotel an.

Nachdem wir beim Nachtportier eingecheckt hatten, versuchten wir herauszufinden, ob irgendwo für uns eine Nachricht hinterlassen wurde, weil wir eigentlich für die nächsten Tage einige Bustouren unternehmen sollten. Aber kein Zettel in unserem Zimmer und auch keine Ankündigung auf irgendeiner Tafel. Der Portier wußte auch von gar nichts. So beschlossen wir ersteinmal, das Hotel zu erkunden. Es war, wie vermutet, riesig. Die Architektur allerdings, ließ dieses nicht auf den ersten Blick erkennen. Ein modernes Flair mit vielen Lichtern, die die Poolarea, wie ein in die Realität gerücktes Second Life Szenario aussehen ließ (Second Life ist eine dieser virtuellen Realitäten, in denen ganze Landstriche und Gegenden künstlich von den SpielerInnen – Avataren – erschaffen wurden). Grinsend gingen wir Richtung Meer, auf der Suche nach dem Strand. Leider befand der sich gerade im Umbau. Tja, die Nachteile, wenn man ausserhalb der Saison fährt. Egal, hauptsache wir konnten am Meer sein, es riechen und spüren, dem Rauschen der Wellen zuhören und in die Ferne sehen. Auf unserem Rückweg sahen wir das Ausmaß unseres Hotels und bekamen eine Ahnung davon, wieviele Menschen hier Platz fanden in den Hauptsaison Monaten. Ganz schwindelig von der Vorstellung gingen wir auf unser Zimmer und schauten türkisches Fernsehen. İyi geceler!

Am nächsten Morgen klingelte um 9 Uhr das Telefon, ich kam gerade aus der Dusche und starrte es an, wie eine Erscheinung der 3. Art. Wer sollte uns hier anrufen? Es war der deutsch sprechende Reiseführer unserer gebuchten Tagestour. Wo wir denn blieben, alle würden auf uns warten. “Was für eine Tour?” fragte ich, “nach Myra bei Demre, sehr schön, zu den Ruinen und der St Nikolaus Basilika. Das sollten Sie nicht verpassen” “Häh?” dachte ich und sagte, “aber niemand hat uns Bescheid gesagt, daher wollen wir jetzt Frühstücken.” Er blieb hartnäckig dabei, dass wir mitkommen sollten und dafür danke ich ihm heute noch, denn die Fahrt war wunderschön. Wir beeilten uns, ließen das Frühstück sein und stiegen in den mit ca. 20 Personen gefüllten Bus ein. Und was waren wir später froh, mit dabei gewesen zu sein. Der Ausflug lohnte sich auf alle Fälle. Die Fahrt zu den Ruinen in Myra mit Sonnenstrahlen im Gesicht, obwohl es November war, erfreute unser Herz. Dort angekommen, bekamen wir ein kurze Einführung über den Ort, das alte römische Theater und die lykischen Felsengräbern, von unserem Reiseleiter, der sehr belesen und voller Wissen war. Man konnte ihm sein Interesse an der Geschichte seines Landes und darüber hinaus anmerken. Ich glaube, er war ein wenig verwundert darüber, wie wenig wir (die Reisegruppe) sich auskannte, war es doch unsere christliche Geschichte. Dann konnten alle nach Herzenslust herumwandern und sich des Ortes erfreuen. Als ausgebildete Bühnenschauspielerin sprang ich natürlich sofort im Theater auf der Bühne hin und her und versuchte mir Vorzustellen, was hier vorgetragen wurde und wie das Publikum reagierte. Amphietheater haben schon ein besonderes Flair. Ich mag sie lieber, als die Vor-Kopf-Theater, wie ich sie gerne nenne, unseres Kulturkreises.

Mit dem Bus fuhren wir dann schließlich in das nahegelegene Demre zu einem Restaurant, das für unser leibliches Wohl sorgte.

Es ist im Allgemeinen so üblich, dass bei den Pauschalreisen inklusive Bustouren Halbpension gebucht wird und für das Mittagessen noch mals extra bezahlt werden muss. Dies ist wiederum eine Pauschale, geht aber an den Reiseleiter. Die Mittagessen fand ich im großen und Ganzen passend für eine größere Gruppe und variierend von “ja, ganz ok” bis “hmm, lecker”. Einige Male wurde das Essen an den Tischen serviert und andere Male gab es Buffets.

Nach dem Essen besuchten wir die Basilika von St. Nikolaus, dem alten Mann aus der Türkei, dem man am 6. Dezember die geputzten Schuhe zum Füllen vor die Tür stellt. Dieser Nikolaus war Bischof von Myra in Lykien, im damaligen römischen und später byzantinischen Reich. Verstorben ist er am 6. Dezember und so wurde dieser Tag zum Feiertag. Wann und wieso Schuhe ins Spiel kamen, dass weiß ich allerdings nicht. Wir erfreuten uns der vielen Katzen und Hunde, die ihn wohl auch gern hatten, weil sie so zahlreich auftraten.

Dann ging es auch schon auf die lange Heimfahrt, zurück ins Hotel. Meine Welt war in Ordnung, die Sonne schien, es war angenehm warm, die Menschen sehr freundlich und die Landschaft hügelig schön mit Blick auf das Meer. Unser erster Tag in der Türkei war ein Erfolg.

PS:

Wie schon erwähnt, wollten wir eigentlich gar nicht mitfahren und lieber ordentlich frühstücken, daher versprach uns der Reiseleiter ein Frühstück unterwegs auszugeben. Bei einem Glas çay (türkischer Tee) erzählte ich ihm, dass der junge Mann am Flughafen wenigstens etwas Englisch sprach, sonst wäre es sehr schwierig mit der Verständigung geworden. “Wie etwas Englisch? Der spricht fließend Deutsch!” erklärte er uns. Wir verneinten. Ihm dämmerte wohl etwas und er fragte nach dem Aussehen des Mannes. Es stellte sich dann heraus, dass der Mann gar nicht derjenige war, der uns begrüßen sollte, daher hatte er auch komplett vergessen uns Bescheid zu sagen, dass wir um 9 Uhr am folgend Tag unten an der Rezeption sein sollten. Offenbar hatte unsere Reiseleitung uns nicht geglaubt, dass wir nicht unterrichtet wurden, sonder uns in die Rubrik “depperte Urlauber” einsortiert. Verständlich. Nachdem Gespräch war der Umgang mit ihm herzlicher,  perfekte deutsch-türkische Zusammenarbeit!

(zum Vergrößern auf die Bilder klicken)

Felsengräber in der alten lykischen Stadt Myra

Felsengräber in Myra

Die Basilika von St. Nikolaus

Die Basilika von St. Nikolaus

Das römische Theater in Myra

Das römische Theater in Myra

 

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Meine ersten Blogerfahrungen machte ich mit den Güeras in Mexico WordPress Blog. Reisen und schreiben darüber erleuchtet mein Leben und schon war der Reiseblog jk-unterwegs.com geboren.

There are 2 comments left Go To Comment

  1. Anton Pree /

    Schöner Bericht und klasse Fotos. Macht richtig Spaß Ihre Artikel zu lesen. Danke

  2. Claudia /

    Schöne Erinnerungen – ich habe eine sehr ähnliche Reise auch gebucht, im Nov 2013, aber da klappte alles mit den Ausflügen- ich bin früher nur allein unterwegs gewesen, also ohne Reiseführer, das fand ich spiessig – nun buche ich aber ab und an geführte Reisen und geniesse es einfach mal, mich um nichts kümmern zu müssen….die Türkeireisen mit RSD waren jedesmal sehr günstig und sehr gut organisiert – ach ja – wenn man das so liest, möchte man gleich wieder los!! LG Claudia

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