Gräser, Knollen und Wurzeln in Peru

Peru - Gras, Knolle und Wurzel

In diesem Artikel möchte ich einige Lebensmittel vorstellen, auf die man bei einer Reise nach Südamerika, speziell dem heutigen Perú, achten sollte. Mit dem Wörterbuch und meinem Handy als Fotoapparat, zog ich durch die Supermärkte und betrachtete die Schilder zu exotisch aussehenden Früchten und Gemüse / Wurzeln. Sie wurden fotografiert und ich schrieb mir die Namen auf um sie dann später zu googeln. Mit Hilfe von Google (ich liebe Google), youtube und Essen Blogs gewann ich langsam einen Eindruck über die verschiedenen, nahrhaften, interessanten und fremdem Gemüse / Obst / Getreide Sorten des Landes. Ich ließ mir die Laune auch nicht trüben, als ich hüpfend vor Glück vor den vielen, vielen verschiedenen Kartoffelsorten stand und mein deutscher Bekannter auf die Unfähigkeit der Peruaner schimpfte, ordentliche Kartoffeln zu produzieren. Naja, dachte ich, von Südamerika kommend hatte die Kartoffel ja dann genügend Zeit auf ihrem Weg nach Europa in Deutschland eine ordentliche Kartoffel zu werden… Verkniff mir aber diese Bemerkung.

Die peruanische Küche, mittlerweile weltweit anerkannt (hm, weltweit… wer ist eigentlich damit gemeint?) erlebt zur Zeit einen wahren Aufschwung. Dies war mir nicht so bekannt, bin ich doch eher ein Fan mexikanischen Essens. Und langsam entdecken die Gourmetköche auch die Juwelen ihres eigenen Landes bzw. der indigenen Völker, die zufällig jetzt zu Peru zählen, bei der künstlichen kolonialistisch angelegten Grenze, die die Bevölkerung “plötzlich” einteilte in Peruaner, Bolivianer usw.. Das Essen der indigen Pueblos (Stämme, Völker) wurde bis vor kurzem als arme Leute Essen verpönt und jetzt als kulturelles Erbe (!) wiederentdeckt. Quinoa ist ein gutes Beispiel dafür, das jetzt auch noch den Welthunger beenden soll. Aber wie der interessierte Leser wohl weiß, liegt der Welthunger ja nicht an der Unterproduktion von Lebensmittel und so bleibt nur zu hoffen, dass das inzwischen auch in den USA und Europa sehr beliebte Quinoa nicht massenweise aus dem Land exportiert wird und die produzierende Bevölkerung dann tatsächlich hungern lässt.

Bevor ich mich im politischen, ökonomischen Diskurs verliere, hier nun meine Liste der 10 wissenswerten Lebensmittel: (alle Angaben ohne Gewehr, ähem, Gewähr)

canihuaCañihua (Chenopodium pallidicaule)

Ein Verwandter von Quinoa. Sieht aus wie Getreide ist aber eigentlich eine Grassorte. Die Blätter der Pflanze werden oft an Tiere verfüttert, können aber auch ähnlich wie Spinat zubereitet werden. Cañihua besitzt keine Saponine (giftig, aber geeignet zum Waschen wie Hände oder Wäsche) wie Quinoa, hat viel Proteine, Vitamin E und B, Calcium, Magnesium, Phosphor, Magnesium. Es ist einfach zu verdauen und glutenfrei.

kiwichaKiwicha (Amaranth)

Auch eine Grasart mit viel Protein und glutenfrei. Amaranth ist ja auch bei uns sehr bekannt und beliebt. Es ist voller Aminosäuren, Vitamin A, B6, K und C und den Mineralstoffen Eisen, Kupfer, Magnesium, Phosphat, Calcium. Es wächst, wie Quinoa und Cañihua in den Hochebenen der Anden. Ich mochte es sehr als Teil meines Haferflockengemischs am Morgen, welches man in Perú fertig kaufen kann: Avena con Kiwicha

quinuaQuinoa oder auch Quinua geschrieben

Kinwa (aus der Qechua Sprache) ist eine Grassorte, die in ihrem Samenmantel Saponine besitzt, die leicht giftig sind. Das im Handel zu erwerbende Quinoa ist daher in den meisten Fällen vorbehandelt. Für die Pflanze haben die bitter schmeckenden Saponine den Vorteil, dass sie nicht sehr beliebt bei Vögeln ist und Menschen nutzen sie als Waschmittel. Quinoa ist u.a. reich an Eisen, Vitamin B6, Magnesium, Kalium, Phosphor und schmeckt einfach lecker. Es erlebt in der modernen westlich orientierten (also sehr Weizen lastig ) Küche eine Wiederentdeckung. Da die andine indigene Bevölkerung sich davon ernährt galt es als armes Leute Essen und der Weizen symbolisierte Fortschritt und Wohlstand.

mashuaMashua

Hat man mal keine Lust auf Sex, dann ist diese Pflanze genau die Richtige. Erzählungen zu Folge, wurden damit die Inca Soldaten gefüttert, damit sie nicht an ihre Frauen denken (!). Bei der Mashua handelt es sich um eine Knolle. Roh gegessen soll sie pfeffrig im Geschmack sein, der beim Kochen vergeht. Man sagt, sie sei auch wirksam für Entzundungen der Prostata und Magen / Darm Krebs. Sie ist reich an Protein und Vitamin C und wird gegessen wie auch getrunken.

maiz moradoMaíz Morado (Purpur Mais)

Ein absolutes Muss, wenn man in Perú ist: Chicha Morada. Ein nicht alkoholisches Getränk, das aus dem lila Mais hegestellt wir. Sehr lecker und sehr gesund. Maíz Morado ist voller Antioxidantien, die entzündungshemmend sein sollen. Seine Inhaltsstoffe regulieren den Blutdruck und senken den Cholesterinspiegel. Ein altes Hopi Sprichwort sagt, dass wenn der lila Mais in den Westen kommt, dann passiern große Veränderungen auf dem Planeten. Ich hoffe vom tiefsten Herzen, dass es lebensbejahende Veränderungen sind und das mit Planet die Erde gemeint ist.

macaMaca

Die Maca ist eine Wurzel. Ihr Vorkommen ist hauptsächlich in der Gegend von Junín, wo auch der gleichnamige See liegt. Dort wird die Maca frisch in einem Erdloch geröstet und als Delikatesse gegessen. Ansonsten kommt sie meistens als Pulver in die Geschäfte oder die Knolle wird gekocht in allerlei Gerichten verwendet. Ihr Verzehr, egal ob als Pulver oder gekocht, soll energetisierende Wirkung haben und gute Laune hervorrufen. Manchen Berichten zufolge hat sie genau den gegenteiligen Effekt von Mashua.

OllucoUlloco oder Olluco

Diese Knolle ist die Grundlage vieler verschiedener peruanischer Gerichte. Die Blätter der Pflanze können auch in einem Salat gegessen oder wie Spinat gekocht werden. Sie kommt in den Hochebenen der Anden vor und jedes Jahr am 5. Oktober feiern verschiedene Anden Dörfer den Tag der Olluco mit berühmten Olluco Gerichten, wie z.B. llingli. In diesem Gericht werden Ollucos verwendet, die nach einer uralten traditionellen Art gefriergetrocknet werden. Man sollte sie allerdings nicht wie die Kartoffel braten, da sie einen sehr hohen Wassergehalt hat.

ocaOca

Die Blätter und jungen Zweige der Oca können ebenfalls im Salat oder gekocht gegessen werden. In Mexico werden die Oca Knollen roh mit Salz, Zitrone und Chili verzehrt. Die traditionelle saure Zubereitung der Oca, Khaya genannt, enthällt viel Oxalsäure, die gut für die Knochen ist. Die Knollen werden dafür lange in Wasser eingelegt, dann in der Tageshitze und in der Nachtkälte draussen gelagert bis sie komplett dehydriert sind. Hört sich nicht so lecker an, ist es aber. Ich kenne diese Variante bei den traditionell getrockneten Kartoffeln. Weicht man diese ein und kocht sie, schmecken sie ähnlich wie Bratkartoffeln, sehr kräftig im Geschmack. Eine andere Zubereitungsvariante ist die süße Oca. Die Knolle wird der Sonne ausgesetzt und erhält dadurch einen süßen Geschmack und der Gehalt der Oxalsäure verringert sich.

yaconYacón

Die Yacón Wurzel wurde mir als Darm Heilmittel vorgestellt, allerdings mit dem Warnhinweis, die Fenster über Nacht offen zu lassen, weil man sonst an den produzierten Gasen erstickt oder das Zimmer sich hebt und davon schwebt. War auch kein Scherz, wie ich dann später nach dem Verzehr feststellte. Sie enthält auch sehr viel Wasser und ist daher Durst löschend. Für mich ist die Yacón eine Heilwurzel und sehr lecker. Drei Tage hintereinander hatte ich einen Heißhunger auf sie und plötzlich war jeder Appetit vergangen. Ihre Inhaltsstoffe werden von sogenannten freundlichen Bakterien im Darm geliebt und man spürt, riecht und hört sie bei der Arbeit, mit steigerndem Wohlbefinden.

yucaYuca (auch Cassava oder Manioc genannt)

Nicht zu verwechseln mit der Zimmerpflanze Yucca oder Yam. Mein erstes Erlebnis mit der Yuca Wurzel habe ich in diesem Bericht (Link) niedergeschrieben und offensichtlich überlebt. Die Yuca enthält Zyancali (Blausäure) und sollte nicht in rohem Zustand gegessen werden. Beim Kochen dampfen die Gifte aus. Ich liebe Yuca. Sie kommt gekocht als Beilage zu Ceviche oder in Suppen oder fritiert (lecker!!!) oder oder oder. Traditionell wird die Yuca geschält, geraspelt und mehrere Tage eingeweicht. Dann gepresst und geröstet. Das Wasser mit dem Nebenprodukt der Pressung (Stärke) wird Tapioka genannt. Das übrig gebliebene Mehl wird vielseitig verarbeitet. Die Wurzel enthält wenig Protein aber viele Kohlehydrate. Die Blätter sind ebenfalls essbar.

 

So, das wars vorerst. Es gibt so viele wunderbare Dinge in Peru bzw. in Südamerika… 😀

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Meine ersten Blogerfahrungen machte ich mit den Güeras in Mexico WordPress Blog. Reisen und schreiben darüber erleuchtet mein Leben und schon war der Reiseblog jk-unterwegs.com geboren.

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